Familie,  Fotografie

Fenster der Vergangenheit.

Mama, bei deinen Fotos ist es immer so, also würde man durch ein Fenster in die Vergangenheit gucken.
Ronja, 4 Jahre 

Oh weh, ja. Unsere Vierjährige wirft hochfrequent mit vielerlei Weisheiten um sich. Das ist in der Regel sehr, sehr herzerwärmend und bereichernd. Manchmal hat sie aber auch das große Talent uns Erwachsenen einen schmerzhaften oder zumindest zum Denken anregenden Spiegel damit vorzuhalten.

Meistens aber, lädt sie damit ein, die Welt aus ihrer Sicht zu betrachten und zu spüren. 

Und was ist das auch für eine wunderbare Vorstellung. 

Viele kleine Fenster in die Vergangenheit. Nur um einmal kurz „Hallo“ zu sagen und noch einmal nach dem Rechten zu sehen. Sich ganz fix einen kleinen Impuls abzuholen wenn jemand fragt „Weist du noch?“. 

Natürlich können wir dann ganz easy auf unseren Handys swipen oder eben mit etwas mehr Aufwand bzw. zeitlichem Abstand die alten Festplatten durchforsten und uns von all den Dateien – mal mehr, mal weniger geordnet – berieseln lassen.
Jeder hat die Möglichkeit und das Know-How dafür, oder? 

Und unsere Kinder?
Dass sie kaum eine Möglichkeit haben auf all diese Massen an digitalen Bildern und Videos zuzugreifen wurde mir selber tatsächlich erst bewusst, als hier im Zuge der Suche nach tollen Fotoprodukten, die ersten Fotoalben eintrudelten. 

Was für eine Wonne! Wunderbare erste Momente waren das, als die Kinder sich selber in einem Buch in den Händen hielten. Dabei ist es so simpel, so banal. 

Aber ja, sie haben kaum eine Möglichkeit die Bilder zu Gesicht zu bekommen, wenn wir sie nicht für sie auf Papier oder an die Wand bringen. 

Gerade der Alltag ist es, der es für mich so wertvoll macht. Alltägliche Momente, die wir festhalten. Unterwegs oder zu Hause. Genau daran kleben unsere Erinnerungen, die Erinnerungen, die ein paar Jahre später eine klitzekleine Stütze benötigen können, um wieder präsent zu werden und die Erinnerungen, die uns dann immer noch genau so – oder weit mehr – berühren wie im Jetzt. 

Kinder verändern unsere Welt stetig und nachhaltig und sorgen dafür, dass jeder Tag neu ist. Sie bereichern und berühren, treiben unsere Nerven an den Rand und es manchmal einen Ticken zu bunt.
Aber genau das ist die Zeit, die es lohnt erinnert zu werden. Die Zeit, die vorbei ist, bevor sie angefangen hat. 

Ich finde es wunderbar, anhand dieser kleinen, robusten Fotoalben, einen Weg für uns gefunden zu haben, uns und vor allem den Kindern diese kleinen Fenster in die Vergangenheit zu öffnen. Uns Zeit dafür zu nehmen und gemeinsam in diese Fenster schauen und uns fühlen, als wäre all das erst gestern gewesen.

Genau so intensiv wie im Jetzt. 

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