Familie,  Special Needs Parenting

Mein Kind kann nicht sprechen…

Und das stellt man sich immer so schwierig vor, jedenfalls wird uns das oft gesagt und wir werden oft gefragt wie das denn so ist wenn das Kind nicht spricht.

Ehrlich gesagt ist die häufigste Frage “aber Mama und Papa sagt er doch, oder nicht?” – Nö, der sagt gaaaaar nix

Aber: Man kann nicht nicht kommunizieren und gerade jetzt mit dem Babymädchen fällt uns immer wieder auf, wie sehr wir davon profitieren auch die Mädchen zu verstehen, ob sie nun mit Worten sprechen oder nicht.

Es gibt eine Folge von Peppa Wutz, (mein Lebenswerk wird es sein, jede dieser Folgen auf meine Art mit meinem Humor zu interpretieren) in der die Tante und der Onkel von Peppa ihr Baby Alexander mit zu Besuch bringen.

“Woher wisst ihr was Baby Alexander möchte?”
“Wir schätzen.”, sagt Onkel Wutz. (übertrieben läppisch)

Und dann fängt das Baby an zu weinen und es geht reihum:

“Ich schätze er hat Hunger.”
“Ich schätze er hat die Windel voll.”
“Ich schätze er ist müde.”
“Ich schätze er möchte auf den Arm.”

Und auch wenn das irgendwie fast schon Galgenhumor ist, ist es hier tatsächlich ähnlich.

Doch nonverbale Kommunikation bietet so viele Möglichkeiten.
Blicke, Gesten, Mimik, Deuten, Zeigen und eben das allerwichtigste überhaupt… Empathie & Interesse.
Zwei Komponenten die unabdinglich sind.

Nach fünf Jahren haben wir da einfach unseren Weg gefunden.

Bedürfnisorientierter Umgang im Rahmen einer bekannten Struktur mit den Kindern ist schon mal die halbe Miete und der Grundstein fürs “Schätzen”

Dennoch ist es ganz wichtig in jeder Situation gedanklich ganz nah beim Superhelden zu bleiben, ihn zu beobachten und ihm Raum zu geben sich auf seine Art mitteilen zu können.

Ein gutes und komplexes Sprachverständnis seinerseits kommt uns da sehr zugute, um regelmäßigen Frust aufgrund von Missverständnissen zu vermeiden.

Missverständnisse gibt es dennoch laufend.

Aber der Superheld und auch wir haben gelernt das zu akzeptieren und es beim nächsten Mal dann einfach besser zu machen.

Aber da kommen wir auch heute noch in Situationen wo es eine halbe Stunde und vehementes “Schätzen” braucht, bis wir uns verstehen und das tut mir dann immer schrecklich leid und im Herzen weh, weil hinterher dann irgendwie doch auf der Hand liegt, was der kleine Kerl denn wollte.

Auch das gehört dazu. Wie bei sprechenden Kindern.
Wir hören und sehen unsere Kinder bei uns zu Hause sehr intensiv und ich denke, dass letztendlich der Umgang mit dem Superhelden nicht ganz unschuldig daran ist.

Davon profitieren wir alle.

Wir haben uns im Laufe der Zeit abgewöhnt über seinen Kopf hinweg zu sprechen und ohne nachzufragen für ihn zu entscheiden.
Das klingt selbstverständlich, aber wenn da so ein nonverbaler Heini neben dir steht, ist leider irre schnell etwas über seinen Kopf hinweg gesagt.

Er isst beispielsweise gern Marmeladenbrot und der Weg zu einem anderen Aufstrich ist beim Superhelden wesentlich weiter und Zeit intensiver, als bei der sprechenden dreijährigen Schwester.
Da müssen wir dann ausprobieren was ihm schmeckt, sehen und verstehen was er möchte.

Ich weiß, was er mag, aber sein Lieblingsgericht kenne ich einfach nicht.

Und das ist tatsächlich oft schmerzhaft zu akzeptieren.
Gleiches bei Lieblingsspielzeugen, Büchern, seiner Lieblingsfarbe oder Musik, die er gern hört.
Ich weiß, was er mag, aber genau wissen tue ich es eben nicht.

Viele seiner Behandler haben uns auf die mögliche „Problematik“ hingewiesen, dass seine Schwestern ihn überholen werden. Wir sollen uns darauf vorbereiten und nicht traurig sein…

Für uns ist das eher eine logische Konsequenz eines entwicklungsverzögerten Kindes mit Geschwistern im ungefähren gleichen Alter und viel mehr ein Zugewinn für uns alle.

Durch seine normal entwickelten Schwestern wird uns auch über den Superhelden vieles klar und die Kinder unter sich haben ohnehin ihren eigenen Weg gefunden zu kommunizieren.

So weiß die Räubertochter oft viel schneller und besser was ihr Bruder möchte oder eben auch nicht möchte.

Sie spricht dennoch oft sehr verhalten mit ihm, ganz anders als mit ihrer Schwester, weil die Reaktionen ganz andere sind.
Wir haben ihr vorgelebt, dass es möglich ist ganz „normal“ mit dem Superhelden zu reden und eben auf eine andere Art auf ihn zu reagieren.

Aber auch ich selbst „spreche“ in manchen Situationen gar nicht mit vielen Worten mit dem Superhelden, sondern lasse mich auf seine Art der Kommunikation ein und dann reichen eben auch mal einfach nur Blicke.

Vor einiger Zeit war die Frusttoleranz des Superhelden noch wahnsinnig niedrig.

Er hat sich gar nicht Mühe gemacht mit Fremden oder Personen, die nicht zu seinem näheren Umfeld gehören, Kontakt aufzunehmen.
Das ist heute ganz anders und ich bin ganz stolz, dass er sich und seinem Gegenüber mittlerweile die Zeit gibt einen guten Weg zu finden sich zu verstehen.
Ob er irgendwann sprechen können wird, wissen wir gar nicht. Wir trauen es ihm zu, wissen auf der anderen Seite aber gar nicht was genau verantwortlich dafür ist, dass er nicht mit Worten kommuniziert. Da gäbe es viele Gründe, aber keiner spricht definitiv dagegen. Wenn wir eins gelernt haben gemeinsam mit unserem Kind, über das man sagte es würde sterben, es würde gar nicht oder nie wieder laufen können, nicht selbstständig essen…., dann das nichts unmöglich ist. Und er wäre nicht der Superheld, wenn er keine Überraschungen mehr parat hätte.

 

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